Weitere Aktuelle Themen
Ist Kaugummi kauen gesund? Ein Blick hinter die Schlagzeilen zu Kaugummi, Zähnen, Stress & Abnehmen
Viele Patient:innen fragen mich: „Ist Kaugummi kauen gesund?“ – vor allem, wenn es um zuckerfreien Kaugummi, Zähne, Verdauung, Stress und Abnehmen mit Kaugummi geht. Kürzlich durfte ich als medizinischer Experte in einem Interview mit der BILD-Zeitung eine extrem zugespitzte Kaugummi-Diät-Story einordnen. In diesem Artikel geht es darum, was Chewing Gum wirklich kann – und wo die Risiken beginnen.
Kaugummi & Gesundheit – kurzer Überblick für die Praxis
Vielleicht haben Sie es gelesen: In der BILD-Zeitung ging es um jemanden, der angeblich 40 Kilo nur durch Kaugummikauen abgenommen hat. Als die Anfrage zu dieser Geschichte bei mir ankam, musste ich kurz schmunzeln. 40 Kilo runter, nur durch Kauen? Klingt verlockend – ist medizinisch aber Unsinn.
Trotzdem höre ich in der Sprechstunde am Romanplatz oft Fragen wie: „Ist Kaugummi kauen gesund oder ungesund?“ oder „Schadet das dem Magen und den Zähnen?“.
Auf den Punkt gebracht:
- Zähne: Zuckerfreie Kaustreifen können Speichelfluss, pH-Wert und Zahnschmelz positiv beeinflussen.
- Gehirn & Stress: rhythmisches Kauen kann Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und subjektiven Stress kurzfristig verbessern.
- Verdauung: Speichel und Kaubewegungen unterstützen Magen- und Darmfunktion – bei empfindlichem Darm aber nur dosiert.
- Gewicht: der Streifen im Mund kann Heißhunger bremsen, ist aber keine Diät.
In diesem Artikel trennen wir die medizinischen Fakten vom Boulevard-Latein: von Abnehmen über Stress bis hin zu Zähnen und Magen-Darm-Trakt.
Abnehmen mit Kaugummi – was wirklich stimmt
Fangen wir mit dem Mythos an, der die meisten Schlagzeilen bringt: „Kann ich mich mit Kaugummi schlank kauen?“ Die Antwort aus hausärztlicher Sicht: Jein.
Die Kaubewegung selbst ist kein Fatburner. Sie verbrennen etwa 10–15 Kilokalorien pro Stunde. Um ein einziges Stück Schokolade auszugleichen, müssten Sie also einen halben Vormittag durchkauen. Trotzdem kann ein zuckerfreier Minzstreifen im Mund ein nützliches psychologisches Werkzeug sein – so etwas wie ein Sicherheitsgurt gegen Heißhunger:
- Der Mund ist beschäftigt, der typische Griff zu Snacks wird unterbrochen.
- Intensiver Minzgeschmack dämpft bei vielen die Lust auf Süßes.
- Sie gewinnen Zeit, um zu fragen: „Habe ich Hunger oder nur Stress/Langeweile?“
Untersuchungen zeigen: Wer regelmäßig zu einem zuckerfreien Streifen greift, nimmt bei der nächsten Mahlzeit im Schnitt etwas weniger Energie auf. Das sind hilfreiche Prozentpunkte, aber keine 40-Kilo-Wunder.
Medien-Interview: Warum die „Kaugummi-Diät“ gefährlich ist
In einem Interview mit der BILD-Zeitung wurde ich gefragt, ob „Abnehmen nur mit Kaugummi“ sinnvoll sei. Meine klare Antwort: Als Dauerstrategie medizinisch nicht vertretbar. Wer Mahlzeiten konsequent durch Kaustreifen ersetzt, riskiert Mangelernährung, Muskelschwund und Stoffwechselprobleme.
Mein Fazit: Der Streifen im Mund ist ein Notfall-Tool gegen Heißhunger, aber niemals die Basis einer Diät. Für nachhaltiges Abnehmen brauchen Sie ein strukturiertes Konzept aus Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement – gerne begleitet in der Hausarztpraxis.
In der Hausarztpraxis am Romanplatz nutzen wir solche „Mini-Hacks“ gern als Ergänzung. Die eigentliche Gewichtsreduktion findet aber über Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressregulation statt.
Kaugummi gegen Stress – was im Gehirn passiert
Sie kennen das: Berufsverkehr in München, der Termin drückt – und plötzlich kauen Sie wie automatisch auf einem Minzstreifen oder auf der Lippe. Das ist mehr als eine Marotte, dahinter steckt Biologie.
Für unser „altes“ Stammhirn bedeutet Kauen: „Wir essen – also sind wir gerade nicht in akuter Gefahr.“ Das Nervensystem interpretiert die Kaubewegung als Situation relativer Sicherheit. Studien zeigen:
- Rhythmisches Kauen kann die Durchblutung im Gehirn steigern.
- Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit können kurzfristig besser werden.
- In manchen Situationen sinkt der Spiegel des Stresshormons Cortisol.
Unknown Fact: Dieser kleine Helfer wirkt wie ein „Stressball für den Kopf“. Vor einer Prüfung, einem schwierigen Gespräch oder einer langen Autofahrt können 10–15 Minuten Chewing Gum sinnvoll sein – es ersetzt aber keinen Schlaf und keine ernsthafte Stressbewältigung. Hintergrundwissen zum Stresshormon Cortisol finden Sie z. B. bei der Apotheken Umschau.
Zuckerfreier Kaugummi & Zähne – kleine Waschanlage für unterwegs
Beim Thema Mundgesundheit & Kaumittel sind sich Zahnärzt:innen und Hausärzt:innen selten so einig: Zuckerfreie Varianten können sinnvoll sein – gezuckerte nicht.
Nach dem Essen sinkt der pH-Wert im Mund, es wird sauer und der Zahnschmelz wird angegriffen. Ein Streifen im Mund regt den Speichelfluss stark an:
- Speichel neutralisiert Säuren nach dem Essen.
- Mineralien werden zurück in den Zahnschmelz eingebaut (Remineralisation).
- Mundgeruch (Halitosis) kann abnehmen.
Auch Verbraucher- und Fachinformationen – etwa die Verbraucherzentrale zu Xylit-Streifen – kommen zu dem Schluss: Zuckeraustauschstoffe können zusätzlich zur klassischen Zahnpflege zur Kariesprophylaxe beitragen.
Entscheidend ist die Sorte:
- Steht auf der Packung Zucker an erster Stelle? → Finger weg – Zuckerbad für die Zähne.
- Steht dort Xylit (Birkenzucker)? → Zugreifen – Kariesbakterien können Xylit kaum verstoffwechseln.
Gerade bei Kindern mit hohem Kariesrisiko kann ein xylithaltiger Streifen – zusätzlich zu Putzen, Fluorid und Ernährung – ein Baustein sein. Die Hauptarbeit macht aber weiterhin die Zahnbürste.
Kaugummi, Magen & Darm – Entlastung oder Reizfaktor?
Verdauung beginnt im Mund. Beim Kauen werden vermehrt Speichel und Verdauungsenzyme wie Amylase gebildet:
- Der Speisebrei gleitet besser durch Speiseröhre und Magen.
- Überschüssige Magensäure wird verdünnt, Sodbrennen kann abnehmen.
- Die Darmbewegung (Peristaltik) kann sanft angeregt werden.
Nach sehr üppigen oder fettigen Mahlzeiten können wenige Minuten mit einem zuckerfreien Streifen im Mund im Alltag merklich entlasten – immer eingebettet in ein sinnvolles Ernährungs- und Bewegungsmuster.
Nach Bauchoperationen empfehlen wir in Kliniken manchmal gezielt Chewing Gum als „Darm-Wecker“: Kauen simuliert eine Mahlzeit, ohne den Magen mit schwerem Essen zu belasten – der Darm bekommt trotzdem ein Aufwachsignal.
Folgen & Risiken bei zu viel Kaugummi
So hilfreich Chewing Gum in Maßen sein kann – Dauer-Kauen bringt Probleme mit sich. Besonders Kiefer und Magen-Darm-Trakt reagieren empfindlich.
- Kiefergelenk (CMD): Schmerzen, Knacken, Verspannungen, Kopfschmerzen durch Dauerbelastung.
- Darm: Sorbit & Co. in vielen zuckerfreien Produkten können Blähungen, Bauchweh und Durchfall auslösen.
- Schluckluft: Wer ständig einen Streifen im Mund hat, schluckt viel Luft – Völlegefühl, Aufstoßen und Blähbauch sind die Folge.
Haben Sie bereits eine bekannte CMD, häufige Kopfschmerzen oder einen empfindlichen Darm, sollten Sie Kaumittel nur bewusst und begrenzt einsetzen – und Beschwerden frühzeitig hausärztlich oder zahnärztlich abklären lassen.
Verschluckte Kaugummis – Mythos & Realität
Einer der hartnäckigsten Mythen lautet: „Ein verschluckter Kaugummi bleibt 7 Jahre im Magen.“ Das stimmt nicht.
- Ein einzelnes verschlucktes Stück ist bei gesunden Menschen in der Regel harmlos.
- Die Gummibasis wird zwar nicht verdaut, aber zusammen mit dem Stuhl ausgeschieden.
Kritischer wird es, wenn:
- viele Kaustreifen hintereinander geschluckt werden,
- zusätzlich eine schwere Verstopfung besteht,
- oder relevante Vorerkrankungen des Darms vorliegen.
Bei anhaltenden Bauchschmerzen, starkem Blähbauch oder Stuhlproblemen nach verschluckten Kaumitteln sollten Sie den Darm ärztlich beurteilen lassen – vor allem bei Kindern.
Die Dosis macht das Gift: Meine Empfehlung für den Alltag
Die Frage, die am Ende alle interessiert: Wie viel Kaugummi ist noch gesund – und ab wann wird es zu viel?
- Nur zuckerfreie Produkte, idealerweise mit Xylit/Erythrit statt Zucker.
- 10–15 Minuten nach Mahlzeiten – danach ist der positive Zahneffekt erreicht.
- 3–5 Stück pro Tag sind für die meisten Erwachsenen eine sinnvolle Obergrenze.
- Bei CMD, Reizdarm oder starkem Sodbrennen die Menge individuell anpassen.
Merksatz: „Ein paar Stück am Tag – nicht den ganzen Tag.“ Damit liegt man in den allermeisten Fällen richtig.
FAQ – häufige Fragen zu Kaugummi, Gesundheit & Abnehmen
Ist Kaugummi kauen eher gesund oder ungesund?
In normalen Mengen und bei zuckerfreien Varianten überwiegen die Vorteile: mehr Speichel, etwas Stressreduktion, Appetitbremse, Zahnschutz. Ungünstig wird es bei Zucker, Dauer-Kauen, Kieferproblemen oder empfindlichem Darm.
Kann ich mit Kaugummi wirklich abnehmen?
Chewing Gum kann Heißhunger reduzieren und Snacks ersetzen – das hilft beim Kaloriensparen. Eine echte Gewichtsreduktion braucht aber immer ein Gesamtkonzept aus Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement. Das Kaudingen im Mund ist ein Werkzeug, keine Diät.
Was passiert, wenn man ein Stück Kaugummi verschluckt?
Ein einzeln verschlucktes Stück ist bei gesunden Menschen meist harmlos und wird in der Regel mit dem Stuhl ausgeschieden. Kritisch können viele Stücke plus Verstopfung oder schwere Darmerkrankungen werden – dann bitte ärztlich abklären.
Kann zu viel Kaugummi dem Kiefer schaden?
Ja – vor allem bei vorbestehender Kiefergelenksproblematik (CMD). Dauer-Kauen kann Kopf- und Kieferschmerzen verstärken. Dann lieber kurz und gezielt kauen oder ganz pausieren und das Kiefergelenk abklären lassen.
Hilft Kaugummi beim Rauchstopp?
Das Kauen selbst hilft als Ersatzhandlung gegen Stress und „leere Hände“. Noch sinnvoller sind Nikotinkaugummis aus der Apotheke, um körperliche Entzugserscheinungen abzufedern. Dabei unterstützen wir Sie in der Hausarztpraxis gern.
Kaugummi & Gesundheit – individuell einordnen lassen
Ob das regelmäßige Kaugummi kauen in Ihrem Fall eher hilfreich oder belastend ist, hängt von vielen Faktoren ab: Zähnen, Kiefergelenk, Verdauung, Begleiterkrankungen, Medikamenten – und natürlich der Menge.
In der Hausarztpraxis am Romanplatz besprechen wir das pragmatisch, evidenzbasiert und alltagstauglich – inklusive Labor, wenn z. B. Stress, Gewicht, Verdauung oder Müdigkeit im Vordergrund stehen.
Praxis: Romanplatz 9, 80639 München · Tel. 089 170765
Standort & Einzugsgebiet – Hausarzt München-Neuhausen
Die Hausarztpraxis am Romanplatz liegt in München-Neuhausen, nahe Nymphenburg, und ist gut erreichbar aus Laim, Pasing und der Münchner Innenstadt.
- Adresse: Romanplatz 9 (Rückgebäude), 80639 München
- Telefon: 089 170765
- ÖPNV: Tram 16/17, Bus 51/151/144 – Haltestelle Romanplatz